Switzerland

Swiss Re und Zurich Insurance Group gehen mit gutem Beispiel voran und verpflichten sich, die Zahl ihrer Geschäftsflüge zu reduzieren

Maio 10, 2022
Ein neues Ranking von Transport & Environment (T&E) zeigt, dass Crédit Suisse, UBS und Glencore zu wenig tun, um die Emissionen von Geschäftsreisen zu reduzieren.

Eine neue Studie von T&E zum Geschäftsflugverkehr und ein darauf aufbauendes Unternehmens-Ranking zeigen, dass sich die untersuchten Unternehmen zwar bemühen, ihre Emissionen zu reduzieren, die Anstrengungen aber bei Weitem nicht ausreichen. Zwei große Schweizer Finanzkonzerne (Swiss Re und Zurich Insurance Group) stehen mit ihren Plänen zur Verringerung der Emissionen durch Geschäftsreisen an erster Stelle des Rankings. Swiss Re hat sich verpflichtet, seine Geschäftsreisen bis 2021 um 30 Prozent und Zurich Insurance bis 2022 um 70 Prozent zu reduzieren.

In dem Ranking, das T&E im Rahmen seiner neuen Travel-Smart-Kampagne erstellt hat, werden 230 US-amerikanische und europäische Unternehmen anhand von acht Indikatoren bewertet, wie unter anderem Emissionsreduktionsziele, Berichterstattung und durch Geschäftsflüge verursachte Emissionen. Im Ranking sind auch 13 Schweizer Unternehmen einbegriffen, von denen einige noch einen weiten Weg vor sich haben, wenn sie ihre durch Geschäftsreisen verursachten Emissionen spürbar reduzieren wollen. Nur vier Unternehmen erreichen ein gutes bzw. vorbildliches Ergebnis, neun Unternehmen dagegen erfüllen die Kriterien nicht in ausreichendem Maße und hinken bei den Zielen oder der Berichterstattung über Geschäftsflüge hinterher.

Unternehmen wie Crédit Suisse, UBS and Holcim haben sich zwar ambitionierte Ziele zur Emissionsreduzierung gesetzt, allerdings ohne die Verpflichtung, auch die durch Geschäftsflüge verursachten Emissionen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu senken. Sie sollten ehrgeizige Verpflichtungen in Bezug auf den Umfang ihrer Geschäftsreisen eingehen und daran arbeiten, dass ihre durch Dienstreisen verursachten Emissionen auf dem niedrigen Niveau vom Jahr 2020 bleiben. So tragen sie dazu bei, die globalen Treibhausgasemissionen so weit zu reduzieren, dass das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen, erreicht werden kann.  Glencore schneidet am schlechtesten ab, da sie gar nicht erst versucht, die Emissionen durch ihre Geschäftsflüge zu reduzieren, und auch keine Informationen darüber offenlegt.

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Yves Chatton vom Verkehrsclub der Schweiz (VCS), sagte: „Die Pandemie hat bewiesen, dass Unternehmen genauso effektiv und sogar noch effizienter sein können, wenn sie weniger fliegen und dabei gleichzeitig ihre Emissionen reduzieren. Während einige Unternehmen in der Schweiz mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, dass es möglich ist, die durch Dienstreisen verursachten Emissionen zu reduzieren, hinken andere wie Credit Suisse und Glencore hinterher. Es zahlt sich für Unternehmen aus, ihre Geschäftsreisen zu verringern. Das kommt gleichzeitig auch den Mitarbeitern entgegen. Führende Politiker und Bürger fordern, die Abhängigkeit vom Erdöl zu verringern – smarteres Reisen ist eine einfache Möglichkeit, dies zu erreichen.“

Unternehmen mit einer A-Bewertung haben sich zu einer absoluten Reduzierung des Flugverkehrs verpflichtet, einige von ihnen streben bis 2025 eine Reduzierung um 50 % oder mehr an. Außerdem legen sie seit mehr als einem Jahr Zahlen zu ihren durch Geschäfts- oder Flugreisen verursachten Emissionen offen. Sie erfüllen den im Ranking vorgesehenen höchsten Standard in Bezug auf Dienstreisen und können als Vorbild für andere Unternehmen dienen. Nur acht Unternehmen (3 Prozent), jedoch keines aus der Schweiz, erreichen im neuen Ranking von T&E eine solche Bewertung.

Das Travel-Smart-Ranking zeigt, dass viele Unternehmen den Umfang ihrer Dienstreisen noch nicht entschlossen genug reduzieren wollen. Von den 230 Unternehmen handeln 193 nicht schnell und ambitioniert genug, um die Emissionen durch Geschäftsreisen zu reduzieren. Unternehmen wie Google, Facebook und Microsoft liegen in der untersten Kategorie des Rankings und müssen das Tempo auf dem Weg zum intelligenten Reisenden anziehen, so T&E. 

Gemeinsam mit 12 Partnern hat Transport & Environment die Travel-Smart-Kampagne ins Leben gerufen. Die Kampagne und das neue Unternehmensranking kommen für die Flugbranche zu einem entscheidenden Zeitpunkt, denn der Geschäftsreiseverkehr zieht nach der Pandemie gerade wieder an. Im Jahr 2019 machten Dienstreisen etwa 15 bis 20 Prozent des Flugverkehrs aus[1], was etwa 154 Millionen MtCO2 entspricht. Die Flugbranche wurde jedoch durch die Corona-Pandemie erschüttert – die Ausgaben für Geschäftsreisen gingen bis 2020 um 52 Prozent zurück, von 1,4 Billionen USD im Jahr 2019 auf 694 Milliarden USD im Jahr 2020[2]

Unternehmen haben nun die einmalige Gelegenheit, durch die Einführung neuer Praktiken eine Vorreiterrolle zu übernehmen, Ziele für die Verringerung der Emissionen von Flugreisen festzulegen und die während der Pandemie angenommen emissionsarmen Gewohnheiten in eine dauerhafte Praxis zu überführen. Die von T&E entworfene Strategie für einen klimaneutralen Luftverkehr hat gezeigt, dass eine Verringerung von Geschäftsreisen der effektivste Weg ist, die Emissionen des Luftverkehrs kurzfristig zu reduzieren, zu dem Zeitpunkt nämlich, an dem es für das Klima am wichtigsten ist. Wenn wir den Geschäftsreiseverkehr um 50 Prozent reduzieren, würden wir die Emissionen in Europa bis 2030 um 32,6 MtCO2 senken, was dem Wegfall von 16 Millionen umweltschädlichen Autos entspricht[3].

Mittels der neuen Travel-Smart-Kampagne von T&E sind Unternehmen aufgerufen:

  • sich öffentlich zu verpflichten, ihre Geschäftsflüge bis spätestens 2025 im Vergleich zu 2019 um mindestens 50 Prozent zu reduzieren;
  • weniger zu fliegen und andere Verbindungsarten und Verkehrsmittel zu benutzen;
  • über die Fortschritte bei der Verringerung der Emissionen zu berichten. 

Smartes Reisen heißt, dass jedes einzelne Treffen zählt. Obwohl sich nicht alle Geschäftsreisen mit dem Flugzeug vermeiden lassen, sind virtuelle Meetings in vielen Fällen ein effektiver Ersatz. Wir machen das schon seit zwei Jahren, warum also jetzt aufhören? Viele Schweizer Unternehmen haben bereits angekündigt, dass sie ihre Flugreisen um 50 Prozent reduzieren wollen. Es liegt jetzt an allen anderen Unternehmen, ebenfalls einen Schritt nach vorne zu machen, weniger zu fliegen und mehr Emissionen einzusparen.“ 

– Yves Chatton, von Verkehrsclub der Schweiz (VCS)

 

[1] McKinsey & Company, The Travel Industry Turned Upside Down Report, September 2020, https://www.mckinsey.com
[2] Global Business Travel Association (GBTA), Business Travel: Full Recovery Expected by 2025, February 1, 2021. https://www.gbta.org/blog/business-travel-full-recovery-expected-by-2025/
[3] Transport & Environment, Roadmap to climate neutral aviation in Europe, 2022, https://www.transportenvironment.org/wp-content/uploads/2022/03/TE-aviation-decarbonisation-roadmap-FINAL.pdf
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